Auch in der Industrie ist Wissenschaft möglich
Von Birk Grüling

Die Forschung an der Universität ist längst nicht die einzige Option für eine Postdoc-Karriere. Auch die Industrie gibt jungen Wissenschaftlern zahlreiche Möglichkeiten, ihre Qualifikationen adäquat einzusetzen. Eine Erfahrung, die auch Dr. Peter Kupser gemacht hat.

Auch in der Industrie ist Wissenschaft möglich© RocheFür Postdoc Dr. Peter Kupser bot der Wechsel in die Industrie die Möglichkeit, seine Forschung ohne Einschränkungen in Machbarkeit und Finanzierbarkeit voranzubringen
"In der Zeit während meiner Promotion habe ich beschlossen, in Zukunft an Forschungsaufgaben zu arbeiten, deren Resultate direkt bzw. zeitnah umgesetzt werden können. Hierzu muss man neben dem eigentlichen Forschungsziel auch die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit berücksichtigen. Deshalb bin ich nach dem erfolgreichen Abschluss in die industrielle Forschung gewechselt", erklärt Dr. Peter Kupser. Ein Bruch oder gar eine komplette Umorientierung im Arbeitsschwerpunkt bedeutete diese Entscheidung für ihn jedoch nicht. Nach seinem Physikstudium an der FU Berlin promovierte Kupser am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft über die Methode einer Strukturaufklärung von Proteinen. Heute ist der 33-Jährige als Postdoc in der systemtechnologischen Forschung bei dem Pharmakonzern Roche tätig. "Ich habe damals bei Roche eine Stellenausschreibung im Rahmen des MSU (Management Start Up) Programms gefunden, die wie die Faust aufs Auge zu meiner bisherigen Arbeit und meinen persönlichen Vorstellungen gepasst hat. Mit meinem biophysikalischen Schwerpunkt zu einem wichtigen Vertreter der Gesundheitsbranche zu gehen, war durchaus naheliegend", beschreibt der Physiker seinen Einstieg in die Industrie.

Im Prinzip auch Grundlagenforschung

Auch die Abteilung System Technologie, in der er als Postdoc arbeitet, unterscheidet sich von der Ausrichtung her nur wenig von einem Forschungsinstitut. "Wir arbeiten quasi eine Stufe vor der Entwicklung der eigentlichen Produkte und leisten damit auch eine Art Grundlagenforschung. Dabei kooperieren wir stark mit Universitäten und stehen im ständigen Austausch mit anderen Forschern", erklärt Kupser und gibt zu: "Ich war am Anfang überrascht, wie viel "echte" Wissenschaft hier betrieben wird." Auch das Team ist dabei äußerst interdisziplinär bestückt, neben Physikern forschen hier auch Chemiker, Biologen, Laboranten und Ingenieure verschiedenster Fachrichtungen. Doch worin liegt dann eigentlich der Unterschied zur Arbeit als Postdoc an einer Hochschule? "Meine Arbeit und meine Erkenntnisse werden nicht in Publikationen oder Artikeln in High Ranked Journals dokumentiert, sondern fließen in die Produkte", erklärt Kupser. Ein Umstand, der einen Wechsel zurück an die Universität allerdings entsprechend erschweren könnte. Außerdem ist der Aufbau eines wissenschaftlichen Netzwerks innerhalb der Physik dabei kaum möglich. "In den Ingenieurwissenschaften ist der Wechsel zwischen den Systemen sicherlich etwas einfacher", weiß der Physiker. "Der Austausch mit den Kollegen an den Universitäten ist aber trotzdem alltäglich und durchweg positiv."

Langfristige Forschung ist auch in der Industrie nötig

Auch bei dem derzeitigen Projekt kooperiert seine Abteilung mit akademischen Partnern wie der Universität Freiburg. Erforscht werden dabei neue hochpräzise Dosiermethoden für ein großes heterogenes Reagenzienmenü im Bereich von Mikro- und Nanoliter. Die Ergebnisse dieser Forschung sollen später einmal die Arbeit in Großlaboren erleichtern. "Wir forschen heute bereits an Methoden, die in der Produktentwicklung erst in einigen Jahren eingesetzt werden. Wir in der Technologie stehen quasi ganz am Anfang einer langen Forschungs- und Entwicklungsreihe von der Idee zum fertigen Produkt. Gerade im Gesundheitsbereich ist grundlegende und somit auch zeitintensive Forschung essentiell", erklärt Kupser. "Von den Arbeitsbedingungen und Herausforderungen als Wissenschaftler her muss ich wirklich sagen, dass ich in der Industrie keine Abstriche machen muss." Immerhin war der Physiker vorher Doktorrand an dem renommierten Fritz-Haber-Institut, ohne Frage eine wissenschaftliche Topadresse. Doch auch andere Rahmenbedingungen machten für ihn den Wechseln von Berlin nach Mannheim einfach: "Natürlich waren die langfristige Perspektive und die Bezahlung durchaus entscheidende Kriterien für das Arbeiten in der Industrie. Wichtig war mir, die Forschung und einen gewissen Grad an Sicherheit miteinander zu verbinden, deshalb würde ich diese Karriereentscheidung auch immer wieder treffen."

Informationen rund um eine Karriere bei Roche finden Sie hier: www.careers.roche.com/en/Global-Job-Search.html
Neben dem Einstieg als Postdoc bietet Roche ein Management Start Up und ein Expert Start Up Programm an.

academics :: Mai 2012

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