Die Reformreform Von JAN-MARTIN WIARDA
Mecklenburg-Vorpommern führt den "Dipl.-Ing." wieder ein.
© PhotoSuse - Photocase.comAuch in Warnemünde kann man in Zukunft wieder den Titel "Diplom-Ingenieur" tragenGegen seine Wiedereinführung als Zusatz zum Master wäre ja nichts zu sagen, wenn es in diesem Fall nicht um etwas anderes ginge: Künftig bekommt in Mecklenburg-Vorpommern das Diplom, wer einen zehnsemestrigen Uni-Master oder einen achtsemestrigen FH-Bachelor macht. Klingt unsinnig? Ist es auch. Dahinter steckt das überwunden geglaubte Statusdenken der Unis gegenüber den FHs, denn zum Fachhochschuldiplom müsste dann wieder die diskriminierende Klammer »(FH)« treten. Absurd, dass die Anti-Bologna-Fraktion das als Ausdruck des Wettbewerbs feiert. Wettbewerb läuft nicht über Labels, sondern über Studienqualität, und das hebelt ein Gesetz, das Reputation an Statusunterschiede koppelt, aus. Schön für rückwärtsgewandte Uni-Profs. Schlimm für Studenten. Ihnen droht nicht nur Chaos beim Hochschulwechsel, sondern die Rückkehr verstaubter Studienordnungen. Dass eine seltene Koalition von Arbeitgebern über Gewerkschaften bis zu den Jusos die Schweriner Rückwärtsreform ablehnt, sollte allen Populisten zu denken geben, die es den Mecklenburgern möglicherweise in anderen Bundesländern nachmachen wollen.
Aus DIE ZEIT :: 22.12.2010
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