Forschen für die Wirtschaft: Chancenboom für Nachwuchswissenschaftler in den Unternehmen
Von Dr. Ulrike Schupp
Innovative Produkte machen Unternehmen stark für den Wettbewerb. Konzerne wie Siemens und Audi, aber auch Mittelständler bieten Nachwuchswissenschaftlern zukunftsweisende Forschungsaufgaben, attraktive Karrierechancen und gutes Geld.
©kryczka - iStockphoto.comBio-, Nano- oder Informationstechnologien sind gefragte FachrichtungenPromotion als Einstieg
"Bei Audi gibt es zwei Möglichkeiten der Promotion", sagt Michael Groß. "Entweder als Mitarbeiter der Audi AG oder durch die Bearbeitung von Audi Projekten im Rahmen einer Wissenschaftskooperation". Die Promotion gilt bei fast allen Unternehmen als guter Einstieg in Forschung und Entwicklung, als Nachweis von Selbstdisziplin und Führungskompetenz. Nicht immer ist damit zugleich das höhere Gehalt gesichert. "In der Industrie stehen Doktortitel in Chemie, Biotechnik und Physik hoch im Kurs", sagt Jürgen Bühler, Geschäftsführer der auf Akademiker spezialisierten Personalberatung alma mater. "Promovierte Ingenieure sind in hoch spezialisierten Ingenieurbüros oder in den Forschungsabteilungen großer Unternehmen gefragt". Bühler zufolge wird eine anwendungsorientierte Industriepromotion "finanziell höher gestellt als eine rein wissenschaftliche Arbeit an der Hochschule". Passt die Doktorarbeit zu den aktuellen Vakanzen in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines Unternehmens, ermöglicht sie hier einen Direkteinstieg.Fraunhofer: Mittler zwischen Forschung und Wirtschaft
Eine Mittlerfunktion zwischen Forschung und Wirtschaft übernehmen die Fraunhofer-Institute. "Wir fördern exzellente Nachwuchswissenschaftler, die bei uns oft eine 'Zwischenkarriere' durchlaufen, bevor sie in die Industrie gehen", sagt Ralf Neuhaus, Pressereferent beim Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund. "Meist arbeiten sie zunächst an Institutsprojekten mit. Die Promotionsstelle finanziert dann der jeweilige Lehrstuhl." Als beispielhafte Kooperation von Universität, Fraunhofer-Institut und Unternehmen gilt das "Audi Logistik Labor", gegründet 2007 an der Graduate School of Production Engineering and Logistics der Uni Dortmund. "In der Logistik besteht großer Forschungsbedarf", sagt Dr. Ernst-Hermann Krog, Leiter Markenlogistik bei Audi. Die Logistik verändert sich ständig: "Praxisnahe Wissenschaft gibt hierbei wichtigen Input. Zum Beispiel auch bei Planungen der immer komplexeren Materialströmen". Durch das Logistik Labor wird eine exklusive Stipendiatenklasse aufgebaut, die an internationaler Spitzenforschung teilhat. "Es braucht keine Zuschüsse. Die Kosten für die Stipendien sind wirtschaftlich, sie werden durch die betreuenden Fachabteilungen getragen".Wachstumsfelder in Umwelt- und Klimatechnologie
Zu den wichtigen Wachstumsfeldern zählen aktuell die Umwelt- und Klimatechnologie. Die Siemens AG baut hier "auch in Krisezeiten" Stellen auf. "Zwischen Oktober 2008 und März 2009 haben wir weltweit 1600 neue Stellen im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz geschaffen", sagt Dr. Ulrich Eberl, zuständig für die Technologie Kommunikation des Konzerns. Gefragt sind Spezialisten und interdisziplinär arbeitende Experten, die sich mit Werkstoffen, Softwareentwicklung oder Sensorik auskennen. Zu ihren Aufgaben in FuE gehört beispielsweise die Entwicklung von Mobilitätskonzepten für die Einbindung von Elektroautos in Stromnetze. "Die zentrale Siemens Forschung ist das Eingangstor für gute Absolventen, die nach einigen Jahren auch in die geschäftsführenden Einheiten wechseln können und sollen". Ganze 3,8 Milliarden Euro flossen 2008 in FuE, rund eine Milliarde davon in Umwelttechnologien. "Siemens startet rund 500 Forschungskooperationen im Jahr, mit Instituten, Universitäten und Industriepartnern. Dabei geht es natürlich auch um Kontakte zu Spitzenforschern, die in die Industrie wollen". Doch nicht nur in Großunternehmen boomen die Chancen für Nachwuchswissenschaftlerinnnen und -wissenschaftler. Wichtige Impulse für FuE kommen aus den etwa 35000 kleinen und mittelständischen Firmen, die kontinuierlich Forschung betreiben. Tendenz steigend.Quelle: academics
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2. Februar 2012
Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung




