Ingenieur-Gehalt: Krisensicher und überdurchschnittlich hoch Von Heike Friedrichsen

Ein Ingenieur-Gehalt liegt nach wie vor über dem Durchschnitt - daran konnte auch die Krise nichts ändern. Der Arbeitsmarkt bietet Ingenieuren vielseitige und gut bezahlte Angebote.

Ingenieure und Gehalt: Krisensicher, vielseitig und gut bezahlt© Charles Taylor - 123rf.comWas knapp ist, ist auch teuer: Ein Ingenieur-Gehalt ist nach wie vor ziemlich hoch
Ein Telefonat - und nur wenige Tage später konnte Achim Wagner* seinen ersten Arbeitsvertrag unterschreiben. "Ich wurde direkt von der Firma übernommen, bei der ich meine Diplomarbeit geschrieben habe", erzählt der auf Mikroelektronik spezialisierte Elektroingenieur. "Mein Chef hat dafür sogar noch eine Prämie kassiert".

So laut wie vor einigen Jahren klagen die Unternehmen nicht mehr über den Mangel an Nachwuchsingenieuren. Und so steil wie damals steigt das Gehalt für Ingenieure wie Maschinenbauer, Verfahrens- und Elektrotechniker auch nicht mehr. Verwunderlich ist schon eher, wie unerschütterlich der Arbeitsmarkt auf die Krise reagiert hat: Zwar ist der Bedarf an Ingenieuren laut Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) vom höchsten Stand im September 2008 (68.800) auf 21.200 im Januar 2010 gesunken. Aber seither werden Ingenieure wieder verstärkt gesucht. Das Ganze hat neben der wirtschaftlichen Entwicklung noch eine demografische Komponente: 30.000 Absolventen verlassen zurzeit im Jahr die ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten, aber 36.000 Ingenieure gehen innerhalb eines Jahres in Rente.

Was knapp ist, ist auch teuer - diese Regel gilt erst recht auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb streicht ein Ingenieur nach wie vor ein überdurchschnittliches Gehalt ein: 54.700 Euro ermittelte der Vergütungsspezialist PersonalMarkt als Mittelwert. Zum Vergleich: Für alle anderen akademischen Berufe sind es 49.700 Euro.

In Produktion und Vertrieb erzielt ein Ingenieur das höchste Gehalt

Bereits am Anfang ihrer Karriere können sich Ingenieure über vergleichsweise hohe Einstiegsgehälter freuen. So starten beispielsweise Ingenieure in der Automobilindustrie im Schnitt mit rund 46.600 Euro Einstiegsgehalt pro Jahr. Doch auch die Tätigkeit selbst spielt eine große Rolle: Am besten bezahlt werden Produktionsingenieure mit knapp 54.000 Euro, es folgen Vertriebsingenieure (rund 53.000 Euro) und Ingenieure in der Instandhaltung (rund 52.000 Euro). Im Vertrieb lässt sich oft mehr verdienen als in anderen Bereichen, allein schon wegen der Prämienzahlungen. Mit etwas Abstand folgen Ingenieure in der Projektabwicklung mit 48.100 Euro, Elektrotechnik-Ingenieure mit 47.800 Euro und Ingenieure in der Konstruktion mit 45.300 Euro. Mit zunehmender Berufserfahrung steigt auch das Gehalt - so verdient beispielsweise ein Ingenieur in der Automobilindustrie mit zehn Jahren Berufserfahrung bereits knapp 70.000 Euro im Jahr.


Beratung zahlt am besten

Neben der Tätigkeit hat auch die Branche großen Einfluss auf das Gehalt des Ingenieurs. Die höchsten Gehälter werden in der Industrie gezahlt. Ingenieure verdienen hier im Schnitt 64.300 Euro. Im Dienstleistungsbereich dagegen werden nur 55.600 Euro gezahlt. Zu den am besten zahlenden Branchen gehören die Halbleiterindustrie (68.600 Euro), die Telekommunikation (67.600 Euro), die Chemieindustrie (65.800 Euro) und die Automobilindustrie (64.200 Euro). Wer heute Ingenieurwissenschaften studiert, kann nicht nur über eine Karriere als Unternehmensberater nachdenken - ein Ingenieur erzielt bei Beratungsunternehmen auch noch ein deutlich höheres Gehalt: Im Schnitt rund 70.300 Euro jährlich. Deutlich weniger Geld gibt es dagegen für Ingenieure in der Textil- und Bekleidungsindustrie (44.200 Euro), aber auch in Ingenieurbüros (43.700 Euro).

Der Tipp für die Gehaltsverhandlung von PersonalMarkt:

Auf keinen Fall sollten Sie sich auf unbestimmte Zeit nach der Krise vertrösten lassen. Im Zweifel immer einen neuen Termin ein halbes Jahr später vereinbaren. Oder: Das Unternehmen wechseln. Denn dann ist der Spielraum nach oben hin offen.

Personalverantwortung zahlt sich aus

Jeder Schritt auf der Hierarchieleiter nach oben bringt ebenfalls mehr Geld. Wer eine leitende Position übernimmt, kann sich noch mal über einen ordentlichen Gehaltssprung freuen. Ingenieure in der Sachbearbeitung eines Automobilherstellers beispielsweise verdienen rund 56.400 Euro. Projektingenieure mit Teamleitung kommen bereits auf 65.200 Euro Jahressalär. Projektmanager beziehungsweise Abteilungsleiter in der Autoindustrie erzielen im Schnitt Jahresgehälter in Höhe von 87.500 Euro. Wer gar als Bereichsleiter mit der Führung mehrerer Ebenen betraut ist, liegt im Schnitt bei 114.900 Euro. Ein Viertel aller Bereichsleiter, deren Daten ausgewertet wurden, kommt sogar auf über 144.800 Euro Jahresgehalt.

Laut DGB mehr Geld in tarifgebundenen Betrieben

Eine große Rolle für die Höhe eines Ingenieur-Gehalts spielen außerdem Geschlecht, geografische Lage (Ost/West) und die Unternehmensgröße. Und selbstverständlich bestimmt auch die Tarifbindung das Einkommen maßgeblich mit. Unternehmen, die nach Tarif bezahlen, entlohnen ihre Ingenieure mit fast 21 % mehr Geld als nicht tarifgebundene Betriebe. So lautet zumindest das Ergebnis einer Studie des DGB-eigenen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Bei der IG Metall variieren die Tarife außerdem je nach Bezirk. Ein Ingenieur in Bayern bezieht nicht das gleiche Gehalt wie ein Ingenieur in Baden-Württemberg, auch wenn beide in der selben Entgeltgruppe sind.

Achim Wagner* hat mittlerweile den ersten Jobwechsel hinter sich, heute arbeitet der Diplom-Ingenieur bei einem Unternehmen aus der Luftfahrtindustrie - und das Gehalt ist noch einmal deutlich gestiegen. Damit nicht genug: Er arbeitet jetzt 37,5 statt 40 Stunden die Woche, bekommt eine Betriebsrente und günstig fliegen kann er auch.

*Name von der Redaktion geändert


academics :: Juni 2010

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