Life Sciences: Gehälter zwischen Tarifvertrag und Verhandlungsgeschick Von Julia Becker

Auf Fachkräfte aus dem Bereich Life Sciences warten sehr gute Verdienstmöglichkeiten. Akademische Berufseinsteiger verdienen nach Angaben des Verbandes für Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBIO) zwischen 38.000 und 50.000 Euro brutto im Jahr. Die genaue Höhe des Gehalts ist eine Frage der Qualifikation, von bestehenden Tarifverträgen und dem individuellen Verhandlungsgeschick.

Gehälter zwischen Tarifvertrag und Verhandlungsgeschick© Yuri Arcurs - 123rf.comGut zu wissen, was beim Gehalt möglich ist - ein Überblick über bestehende Tarifverträge und Möglichkeiten bei der Gehaltsverhandlung
Wer Karriere in den Life Sciences machen möchte, sollte sich bei Gehaltsfragen zunächst erkundigen, ob es für den anvisierten Arbeitsbereich einen Tarifvertrag gibt. Dies ist in vielen Berufsfeldern nichts Ungewöhnliches. So ist beispielsweise die gesamte Pharma- und die Biochemie-Branche an die Chemische Industrie angegliedert. Daher gelten in diesen Bereichen die Tarifverträge der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE).

Pharma- und Biochemiebranche: Gehalt über 52.000 Euro möglich

Anhand der Tarifverträge können Bewerber genau ablesen, unter welchen Umständen sie welches Gehalt erwarten können. Die Tarife der IG BCE werden beispielsweise in die Entgeltgruppen E1 bis E13 eingeteilt, wobei E13 die höchste Gehaltsstufe ist. Ein normaler Absolvent der Fachhochschule fängt in der Regel in der Gehaltsstufe E11 an, die je nach Bundesland ein Brutto-Einstiegsgehalt von rund 35.000 Euro jährlich vorsieht. Nach sechs Arbeitsjahren liegt der Lohn bereits bei rund 47.000 Euro.

Akademiker mit höheren Abschlüssen, Berufserfahrung und weiterführenden Qualifikationen fallen in die Gehaltskategorien E12 und E13. Dort liegt der Anfangssatz bei durchschnittlich rund 37.000 Euro Jahresbruttogehalt, nach sechs Jahren werden bereits Gehälter von rund 49.000 Euro beziehungsweise 52.000 Euro jährlich gezahlt. Alle genannten Summen beinhalten noch kein Urlaubs-, kein Weihnachtsgeld und auch keine weiteren Sonderzahlungen. Akademiker, die sich durch herausragende Qualifikationen oder einen Doktortitel auszeichnen, werden oft auch über Tarif bezahlt.

Gesonderter Tarif für Pharmazeuten in öffentlichen Apotheken

Für PharmazeutInnen, die in öffentlichen Apotheken arbeiten, gilt ein gesonderter Tarifvertrag. Dieser wird zwischen dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) und der Apothekergewerkschaft ADEXA ausgehandelt. Approbierte Pharmazeuten erhalten danach in den ersten Berufsjahren ein Bruttojahresgehalt von rund 28.000 Euro, zuzüglich Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und Sonderzuschlägen. Im Laufe der Berufsjahre steigt das Gehalt nur unwesentlich an.


Eigener Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst

Wer als Fachkraft im öffentlichen Dienst arbeitet, wird nach den Tarifverträgen des öffentlichen Dienst (TVöD) entlohnt. Hier gibt es die Gehaltsstufen 1 bis 15. Das Gehalt steigt jeweils nach einem, drei, sechs, zehn und fünfzehn Berufsjahren an. Akademiker mit einem Bachelorabschluss oder Fachhochschulabschluss fallen meist in die Entgeltgruppen 9 bis 12. In diesen Fällen liegt das monatliche Einstiegsgehalt zwischen 2264 Euro und 2756 Euro brutto. Nach sechs Jahren sind bereits monatliche Gehälter zwischen 2981 Euro und 3861 Euro möglich.

Akademiker mit wissenschaftlichem Hochschulstudium bzw. Masterabschluss fallen in der Regel in die Entgeltgruppen 13 bis 15. Hier liegt das Einstiegsgehalt zwischen 3075 Euro und 3683 Euro brutto. Nach sechs Jahren werden Gehälter zwischen 3947 Euro und 4773 Euro erzielt. Hinzu kommen noch Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Kein Tarifvertrag? Dann zählt Verhandlungsgeschick

In den Berufsfeldern der Life Sciences, in denen es keine Tarifverträge gibt, ist der individuelle Lohn oft Verhandlungssache. Auf welches Gehalt sich Bewerber und Arbeitgeber im Einzelfall einigen, ist oft eine Frage unterschiedlicher Faktoren wie Berufserfahrung des Bewerbers, dessen fachliche Qualifikationen, die geografische Lage des Unternehmens, das Tätigkeitsfeld und die Firmengröße. Auch die Art des Studienabschlusses wirkt sich auf die Höhe des Gehalts aus. So hat eine Studie der IW Consult, einer Tochtergesellschaft des Instituts für Wirtschaft, ergeben, dass Bachelorabsolventen bei Berufseinstieg in 52 Prozent der Fälle weniger verdienen als Diplom-Wissenschaftler im gleichen Fach. In den verbleibenden Fällen war das Gehalt gleich hoch.

Fachhochschulabsolventen mit Masterabschluss verdienen bei Berufseinstieg in 12 Prozent der Fälle mehr als ihre Kollegen mit FH-Diplom, in 80 Prozent der Fälle gleich viel. Auch mit einem Uni-Master verdient ein Wissenschaftler bei Berufseinstieg eher mehr als Wissenschaftler mit Uni-Diplom. Im Laufe der Berufsjahre gleichen sich die Gehälter jedoch wieder deutlich an. Generell gilt: Promovierte Wissenschaftler werden in der Regel sehr viel besser bezahlt als forschendes Personal ohne Doktortitel.

Wer in Gehaltsverhandlungen einsteigt, sollte über diese Faktoren informiert sein und sich entsprechend auf das Gespräch vorbereiten. Dazu zählt, individuelle Stärken und Qualifikationen auszuloten und diese gut zu verkaufen. Darüber hinaus sollten sich Bewerber vorab mit der individuellen Situation des Unternehmens und der aktuellen Marktlage vertraut machen.

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Gehälter in der Chemie.

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