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Promovieren im Land der Dichter und Denker    
Von Katrin Zinoun

Deutschland ist in vielen geisteswissenschaftlichen Disziplinen der führende Wissenschaftsstandort. Will man in Philosophie, Soziologie oder Geschichte forschen, ist es hilfreich, zumindest einen Teil der Ausbildung in Deutschland zu verbringen.

Doing a doctorate in the land of poets and philosophers© jcarter - iStockphoto.com
Die Geisteswissenschaften verfügen in Deutschland über eine außerordentlich vielgestaltige und produktive Forschungslandschaft. Zu den Geisteswissenschaften zählt man die Philosophie, die Sprach- und Literaturwissenschaften, die Geschichtswissenschaften, die Regional-studien, die Religionswissenschaften, die Ethnologie sowie Medien-, Kunst-, Theater und Musikwissenschaften. Auch die Sozial- und Rechtswissenschaften werden zu den Geisteswissenschaften gezählt. Einige der herausragenden Disziplinen in Deutschland sind Geschichte, Philosophie, Ägyptologie, Altorientalistik und Kunstgeschichte. In einigen dieser Disziplinen ist Deutsch nach wie vor die bevorzugte Wissenschaftssprache. Dennoch: Die deutschen Universitäten begrüßen auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften einen internationalen Austausch innerhalb ihrer Institute. Weiterer Vorteil für ausländische Doktoranden ist der Status des "early researcher", das heißt, sie sind Forscher mit allen Rechten und Pflichten, die einen wesentlichen wissenschaftlichen Beitrag zu ihren jeweiligen Disziplinen leisten.

In Geisteswissenschaften überwiegt Einzelforschung

Im Bereich der Geisteswissenschaften gibt es keine großen Forschungsverbünde, wie in den Naturwissenschaften - hier wird eher die Einzelforschung beibehalten. Gleichzeitig entwickeln Doktoranden eine fachübergreifende Kompetenz und können eigenverantwortlich forschen. In den Geisteswissenschaften ist das nach wie vor vorherrschende Modell der Promotion das traditionelle Meister-Lehrlings-Modell mit einem Doktorvater oder einer Doktormutter - allerdings mit abnehmender Tendenz. Eine Zunahme der strukturierten Promotionsprogramme ist auch hier festzustellen. Für welchen Typ der Promotion sich Doktoranden entscheiden, ist stark vom Fachbereich abhängig.

Innerhalb der strukturierten Programme erfreuen sich bei Geisteswissenschaftlern DFG-Graduiertenkollegs und die International Max Planck Research Schools zunehmender Beliebtheit. Vorteil hier: Die Abhängigkeit vom Doktorvater wird aufgelöst, die Promotion wird hier eher als Aufgabe im Team verstanden. Die durchschnittliche Promotionsdauer von 4,5 Jahren wird durch strukturiertes Arbeiten an der Promotion noch weiter verkürzt.

Voraussetzungen für Promotion in den Geistes- und Sozialwissenschaften

In Deutschland wird von den Promovenden ein sehr hohes fachliches Niveau erwartet. Für Geisteswissenschaftler ist es besonders wichtig, einen überzeugenden, selbstständig erarbeiteten Themenvorschlag bei der Bewerbung vorzulegen. Weitere Auswahlkriterien sind: der wissenschaftliche Lebenslauf, Leistungsnachweise, Empfehlungsschreiben und Informationen über das wissenschaftliche Umfeld, in dem die bisherige Qualifikation erfolgt ist. Ob Deutschkenntnisse eine Voraussetzung sind, hängt von der jeweiligen Disziplin und vom Programm ab - dank internationaler Ausrichtung ist in vielen Promotionsprogrammen Englisch bereits die Arbeitssprache. Zusätzlich werden oft Sprachkurse angeboten, die eine Integration in das soziale Umfeld und den Arbeitsalltag erleichtern.

Für einen Überblick über aktuelle Forschungsvorhaben und Promotionsprogramme gibt es den Research-Explorer» der DFG und DAAD. Bei der Finanzierung helfen Stiftungen oder Fördergelder, die beantragt werden können. Zu den bekanntesten zählen die Initiative "Pro Geisteswissenschaften" der Volkswagen-Stiftung und Fritz-Thyssen-Stiftung sowie die Gerda Henkel Stiftung.

Quelle: DAAD»