Universitäre Promotionsstudiengänge und -programme Von Julia Becker
Die klare Organisationsstruktur eines universitären Promotionsstudiengangs bietet Sicherheit und die Möglichkeit, neben der Promotion bereits im Beruf zu arbeiten. Wer hingegen lieber ohne festen Stundenplan und mit sicherer Finanzierung promovieren möchte, ist in speziellen Promotionsprogrammen besser aufgehoben.
Dr. Sigrid Matzick ist Koordinatorin des Promotionsstudiengangs "Public Health" an der Universität Bielefeld
Blockveranstaltungen statt wöchentlicher Kurse
Die zu belegenden Lehrveranstaltungen sind - anders als im Bachelor- und Masterstudium - meist Blockveranstaltungen, die nicht wöchentlich, sondern gebündelt an festgelegten, aufeinander folgenden Tagen im Jahr stattfinden. "Bei uns gibt es im ersten Jahr sechs Blockveranstaltungen, im zweiten und dritten Jahr jeweils nur noch drei Blockveranstaltungen", sagt Dr. Sigrid Matzick, Koordinatorin des Promotionsstudiengangs "Public Health" an der Universität Bielefeld. In manchen Promotionsstudiengängen müssen die Doktoranden über den Besuch der Lehrveranstaltungen hinaus Qualifying Papers schreiben und diese in einem Plenum vorstellen. Dies dient dazu, den Stoff aus den Seminaren mit dem Thema der eigenen Dissertation zu verknüpfen.Beruf und gleichzeitig Promotion? Funktioniert!
Die Dauer eines solchen strukturieren Promotionsstudiums variiert, liegt aber im Schnitt bei drei Jahren. Damit ist diese Form der Promotion im Vergleich zu ausländischen Promotionsprogrammen sehr kompakt und zeitsparend. Ein besonderer Vorteil des Promotionsstudiums an einer Universität ist, dass die Promotion auch berufsbegleitend absolviert werden kann. "Viele unserer Doktoranden und Doktorandinnen stehen schon mitten im Beruf und promovieren darüber hinaus an unserem Institut. Dies ist möglich, da sie einen flexiblen Stundenplan vorliegen haben, nach dem sie ihre Arbeitszeiten ausrichten können", sagt Prof. Barbara Sponholz, Fachstudienberaterin für den Promotionsstudiengang Geographie an der Universität Würzburg.
Prof. Barbara Sponholz ist Fachstudienberaterin für den Promotionsstudiengang Geographie an der Universität Würzburg
Finanzierung muss selbst organisiert werden
Diese mögliche Kombination aus Beruf und Studium ist sehr hilfreich für Doktoranden eines Promotionsstudiengangs, da die Finanzierung eigenständig geleistet werden muss. Ein positiver Aspekt ist jedoch, dass Doktoranden generell von Studiengebühren befreit sind und nur die anfallenden Studienbeiträge für Verwaltung, Semesterticket und Studentenwerk zahlen müssen.Neben der Selbstfinanzierung über eine Berufstätigkeit besteht die Möglichkeit, ein Promotionsstipendium zu beantragen oder sich auf einer der wissenschaftlichen Mitarbeiter-Stellen, die unabhängig vom Promotionsstudiengang von den Instituten ausgeschrieben werden, zu bewerben.
Betreuung der Doktoranden
Neben dem klaren Curriculum bieten die Promotionsstudiengänge eine sehr gute Betreuung für die Doktoranden. Jedem Doktoranden wird ein Betreuer zur Seite gestellt, der bei Fragen rund um die Promotion Ansprechpartner ist. In den meisten Fällen ist der betreuende Professor gleichzeitig auch der Doktorvater und Experte auf dem jeweiligen Fachgebiet. "Über diese individuelle Betreuung hinaus gibt es bei uns auch einen Jahrgangssprecher, der bei Problemen und Fragen als Mittler zwischen den Wissenschaftlern und den Professoren agiert", erklärt Dr. Matzick.Internationalisierung durch wachsende Vernetzung
Wer aus dem Ausland an eine deutsche Universität kommt, erhält professionelle Hilfe rund um den Aufenthalt in Deutschland durch die Akademischen Auslandsämter - der universitären Anlaufstelle für ausländische Studierende und Doktoranden - und durch die Institute selbst. "Die internationalen Doktoranden und Doktorandinnen werden sofort in unseren Gruppen integriert. Auch die Teilnahme an Exkursionen soll unseren ausländischen Gästen die Umgebung vertrauter machen", sagt Prof. Sponholz.Viele Promotionsstudiengänge sind mit Graduiertenkollegs, Graduiertenschulen und ausländischen Partnereinrichtungen vernetzt. Dadurch bekommen die Studiengänge internationalen Zugang: "Wir bemühen uns, mit unseren Partnereinrichtungen im Ausland regelmäßig Austäusche zu organisieren, bei denen ausländische DoktorandInnen zu uns kommen und unsere DoktorandInnen ins Ausland gehen und dort forschen", sagt Prof. Sponholz, die sich von der wachsenden Strukturierung der Promotionsstudiengänge auch eine steigende Internationalisierung verspricht.
Deutschkenntnisse sollten vorhanden sein
Da die Lehrsprache in vielen Promotionsstudiengängen derzeit noch hauptsächlich Deutsch ist, sollten ausländische Doktoranden spätestens zu Beginn ihrer Promotion einen Sprachkurs belegen. "Aber wir befinden uns derzeit in einem Umbruch, weil wir die Internationalisierung unseres Studiengangs vorantreiben wollen. Damit einher geht auch ein verstärktes Angebot von Lehrveranstaltungen auf Englisch auch speziell im Promotionsstudium", erzählt Prof. Sponholz aus Würzburg. Ähnlich sieht es auch an anderen Universitäten aus: "Wir führen hier sehr häufig die Diskussion, ob wir mehr Veranstaltungen auf Englisch anbieten sollten. Ich denke, je internationaler unsere Doktoranden werden, desto schneller wird sich auch die Lehrsprache Englisch durchsetzen", so Dr. Matzick aus Bielefeld.Sehr gute Noten sind Bedingung für eine erfolgreiche Bewerbung
Wer sich für ein Promotionsstudium interessiert, sollte sich zuerst einen Überblick über das sehr vielfältige Angebot verschaffen und sich dann auf den Internetseiten der anvisierten Universitäten und Institute über die speziellen Zugangsvoraussetzungen und die individuellen Bewerbungsverfahren informieren. Grundsätzlich gilt aber: Bewerber sollten ihr Diplom-, Magister- oder Masterstudium in der entsprechenden Fachrichtung mit mindestens 2,0 abgeschlossen haben. "Wer unter diesem Schnitt liegt, hat es schwerer, zur Promotion angenommen zu werden. Wir versuchen, die besten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen für unser Institut zu gewinnen", so Prof. Sponholz. Wer nur einen Bachelorabschluss besitzt oder sich noch nicht fit genug in Fach oder Sprache fühlt, kann an vielen Universitäten vor dem eigentlichen Promotionsstudium entsprechende Vorbereitungsjahre absolvieren.
Privatdozentin Dr. Annette Ladstätter-Weißenmayer ist Koordinatorin des internationalen Promotionsprogramms PIP an der Universität Bremen
Promotionsprogramme, die keine Promotionsstudiengänge sind
Promotionsprogramme sind den Promotionsstudiengängen oftmals sehr ähnlich, darüber hinaus gibt es jedoch einige spezielle Promotionsprogramme, die von der Promotion in Studienform abweichen. Diese werden begleitend zu einer projektbezogenen Promotionsstelle angeboten. Die angestellten Doktoranden haben dann, über die Arbeit in der Doktorandenstelle hinaus, die Möglichkeit, an dem strukturierten Promotionsprogramm teilzunehmen. "Wir unterstützen ein breites Angebot an Veranstaltungen und Kursen. Darüber hinaus organisieren wir Exkursionen zu namhaften Forschungseinrichtungen. Die Entscheidung, welche der vielfältigen Möglichkeiten die Doktoranden nutzten möchten, liegt bei jedem Einzelnen", sagt Privatdozentin Annette Ladstätter-Weißenmayer, Koordinatorin des internationalen Promotionsprogramms PIP an der Universität Bremen.Trotz des freiwilligen Besuchs der Lehrveranstaltung werden die Doktoranden in solchen Programmen auch gefordert, beispielsweise durch das regelmäßige Erarbeiten und Halten von Seminaren. "Die Doktoranden werden von uns bei der Organisation von Seminaren gefördert, um zu gewährleisten, dass aktuelle Forschungsthemen erörtert werden", so Ladstätter-Weißenmayer. Darüber hinaus stehen fast jeden Tag Diskussionsrunden, Fachgespräche mit Kollegen und Vorträge mit Gastwissenschaftlern auf der Tagesordnung.
Finanzierung in diesen Promotionsprogrammen gesichert
Ähnlich einer Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Institut werden die Doktorandenstellen in einem solchen universitären Promotionsprogramm über Drittmittel finanziert. Ein Doktorand erhält über seine Doktorandenstelle ein Gehalt entsprechend dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst der Länder - meist in Höhe von gut 1000 Euro netto.Quelle: academics
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